Mann steht in einer Bibliothek und liest an ein Bücherregal angelehnt in einem BuchMann steht in einer Bibliothek und liest an ein Bücherregal angelehnt in einem BuchMann steht in einer Bibliothek und liest an ein Bücherregal angelehnt in einem Buch
21.04.2020

Sprachen angeben mit Verstand

Fremdsprachen sind im Lebenslauf gerne gesehen. Wie gut Du die Sprache sprichst, lässt sich verlässlich einordnen. Dabei geht es darum, wie oft Du sie anwendest.

Am Anfang war die Sprachkenntnis. Wenn man nicht dieselbe Sprache spricht, wird es nämlich schwer mit der Kommunikation – das gilt im Urlaub wie im Beruf. Entscheidend dabei ist, wie gut man mit einer Fremdsprache umgehen kann.

Sprache ist, wenn man spricht

zwei Männer im Gespräch

Englisch bis zum Abi, mehrere Jahre Französisch in der Schule schmerzvoll hinter sich gebracht und dann steht man da im Urlaub und kriegt kein Wort raus. Wie lange Du eine Sprache sprichst hat wenig Aussagekraft darüber, wie gut Du sie letztendlich sprechen kannst. Ein halbes Jahr in England täglich sprechen zu müssen schult die Sprachkenntnis besser als zwei Jahre lang im Englischunterricht nicht richtig zuzuhören. Im Beruf ist der sichere Umgang mit Fremdsprachen teilweise sogar eine Voraussetzung, um überhaupt an den Job zu kommen. Was aber genau verhandlungssicheres Englisch oder eine gute Kenntnis der Sprache ausmacht, ist in der Stellenausschreibung meist der eingenen Interpretation überlassen.

Europaweit abgesprochen

Das entscheidende Merkmal der Sprachbeherrschung ist das Niveau, auf dem man sich tatsächlich befindet. Um Sprachkenntnisse miteindander vergleichen zu können, kann der sogenannte "gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen" (GER) zu Rate gezogen werden. Als Schüler bekommt man davon in der Regel zwar nichts mit aber der GER ist die Grundlage für Sprachunterricht und Sprachzertifikate in ganz Europa.

Strukturiert und niveauvoll

Personaler vertrauen bei der Auswahl ihrer Kandidaten auf genau diesen Referenzrahmen, da er verlässlich und unkompliziert ist. Es hilft bei der Jobsuche also, sich mit den verschiedenen GER-Niveaus ein wenig auszukennen – auch um dich selbst angemessen einschätzen zu können.
Die Struktur ist dankbarerweise simpel aufgebaut:
Es gibt drei Hauptniveaus, A bis C, die in jeweils zwei Untergruppen, 1 und 2, aufgeteilt sind. Sprachkenntnisse können entsprechend von A1, den elementaren Grundkenntnissen, bis zu C2 reichen, was einem nahezu mutterpsrachlichen Niveau entspricht. Der GER ist in erster Linie funktional konzipiert. Die Stufen richten sich also danach, was der Sprecher einer gewissen Stufe mit der Sprache tun kann.

A1-A2: elementare Grundkennisse

Die erste Stufe bei jeder Fremdsprache sind die Grundlagen. Im A1-A2 Niveau wird die grundlegende Grammatik vermittelt. Man lernt einige Ausdrücke auswendig, etwa um sich vorzustellen oder zu sagen, wo man wohnt. Der Sprecher macht noch schwerwiegende Fehler, da das System der Grammatik noch nicht vollständig verstanden wurde.
Auf A2 Niveau kannst Du dich also zu einfachen Fragen über dich selbst äußern, machst aber noch viele Fehler und bist darauf angewiesen, dass dein Gegenüber dir hilft und das Gespräch führt.

B1-B2: selbstständiges Sprechen

Diese Stufe wird oft als fortgeschritten bezeichnet. Grammatik und Satzbau funktionieren überwiegend gut, das Reden läuft auch schon einigermaßen flüssig und bei vertrauten Themen kann man auch schon mitreden. Zwar wird man immer mal wieder nach Worten suchen und sich mit Umschreibungen helfen, aber der Sprecher kann sich verständlich machen
Auf B2 Niveau kannst Du ein Gespräch aktiv mitgestalten, Fehler werden seltener und meist von dir selbst korrigiert. Du kannst dich klar ausdrücken, sprichst gleichmäßig und verwendest die ersten komplexen Satzstrukturen.

C1-C2: kompetentes Sprechen

Auf dem höchsten Sprachniveau angekommen wird die Sprache sicher beherrscht. Der Sprecher macht nahezu keine Fehler mehr und behält ein hohes sprachliches Niveau bei allen Themen. Mit einem umfangreichen Vokabular kann man sich zu allen allgemeinen wie auch beruflichen und wissenschaftlichen Themen äußern und seine Beiträge geschickt in ein Gespräch einflechten.
Auf C2 Niveau erkennst Du auch sprachliche Feinheiten und kannst dich in verschiedenen Varianten ausdrücken. Komplexe Satzstrukturen sind bei einwandfreier Grammatik und natürlichem Sprachfluss kein Problem. Du kannst dich auch umgangssprachlich ausdrücken und kennst die für die Sprache typischen Redewendungen.

Sprache im Beruf

Frau erklärt an Whiteboard

Im Beruf ist der sichere Sprachgebrauch meist das Minimum. Vor allem wenn es um verhandlungssicheres Englisch geht, reichen Kenntnisse unter dem C1-C2 Niveau nicht aus. Das liegt ganz einfach daran, dass die Sprache an sich auf diesem Niveau keine besondere Aufmerksamkeit mehr erfordert. Man kann sich auf den reinen Inhalt des Gesprächs konzentrieren und vor allem auf C2 Niveau auch die entscheidenden sprachlichen Feinheiten des Gegenübers erkennen und auch selbst Nuancen setzen.
Wenn Du noch überlegen musst, wie der Satz jetzt eigentlich richtig ist, wird es schwer, genau das zu vermitteln, was Du sagen willst. Kenntnisse auf dem A1-A2 Niveau sind zwar für den Small-Talk im Urlaub nützlich aber im Beruf seltener relevant. Der Personaler kann mit dieser Information nur etwas anfangen, wenn die Sprache thematisch zum Job passt und nicht tatsächlich gesprochen werden muss.

Mehr als nur Sprechen

Eine Sprache zu beherrschen bedeutet mehr, als ein paar Regeln zu kennen und Informationen verstehen und verständlich machen zu können. Hinter einer Sprache steckt nämlich ein kultureller Bezugspunkt. Deswegen reicht es auch kaum aus, im Unterricht Grammatikregeln zu lernen. Eine Sprache sprechen bedeutet, sie anzuwenden: mit deinen Mitmenschen zu reden, ein Buch zu lesen, einen Film oder ein Video zu schauen.
Dadurch kannst Du gelerntes Wissen an eigene Erfahrungen anknüpfen, Du verbindest etwas mit der Sprache. Entsprechend ist deine Fremdsprachenkompetenz viel mehr als eine weitere Qualifikation für die neue Stelle. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, dein Sprachverständnis zu vertiefen, lohnt es sich zuzuschlagen. Sei es ein halbes Jahr im Ausland oder die neue Serie auf Netflix auf Englisch mit Untertiteln zu schauen. Eine Sprache wirklich zu sprechen, öffnet dir Tür und Tor.
Die Tür in den neuen Job ist eine davon.

offene Tür mit Vorhängeschloss

Artikel von
Jonas Reiter
Master of Words and Arousal

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