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09.04.2020

Stellenanzeigen schreiben endlich verständlich

Große Worte, kein Inhalt. So kommen viele Stellenanzeigen heutzutage daher. Wenn Bewerber auf dich aufmerksam werden sollen, braucht es aber vor allem eins: Verständlichkeit

Aktuell sind unzählige Stellenanzeigen im Umlauf, aus denen Bewerber nicht schlau werden. Unternehmen setzen auf wichtig klingende Formulierungen und die immer gleichen Floskeln. Dabei könnte es so einfach sein. Jobsuchende möchten natürlich interessante Stellen finden aber in erster Linie geht es ihnen um eine Stelle, die passt. Das entscheidende Kriterium ist dabei, wie verständlich die Arbeit beschrieben ist. Mehr – und vor allem mehr geeignete Bewerber – verspricht ein ausgewogenes Verhältnis aus handfesten Inhalt und ansehnlichen Schreibstil.

Bevor es los geht

Ein guter Text fällt dir natürlich nicht einfach so zu. Das gilt besonders, wenn Du eine bestimmte Zielgruppe im Kopf hast. Jeder Leser ist anders und nimmt ein und denselben Text unterschiedlich auf. Deswegen lohnt es sich, im Vorhinein zu überlegen, wen Du mit deiner Stellenanzeige erreichen möchtest.
Marketingexperten würden dazu eine sogenannte Persona anlegen. Was hochtrabend daherkommt ist im Grunde ganz einfach. Eine Persona fasst die grundlegenden Bedürfnisse, Wünsche und Ziele einer Personengruppe zusammen. In deinem Fall wären das die Bewerber, die Du dir für deine offene Stelle erhoffst. Neben der Motivation beschreibt eine Persona auch, wie Du die idealen Bewerber erreichst. Auf welchen Plattformen sind sie unterwegs? Mit welchem Sprachstil können sie etwas anfangen? Welche Fachbegriffe kennen sie und welche eben nicht?
Es hilft, diese Fragen realistisch zu beantworten. Letztendlich nützt es dir nicht viel, nach dem ultimativen Bewerber zu fahnden, wenn er schlicht und ergreifend nicht existiert.

Wenn Du herausgefunden hast, was der ideale Bewerber sucht und wie Du ihn oder sie am besten ansprichst, kommen Du und deine offene Stelle ins Spiel. Inwiefern erfüllst Du die Ziele deiner Bewerber? Wie rahmst Du die Arbeit so, dass sich die Jobsuchenden in ihr wiedererkennen? Welche deiner Vorzüge als Arbeitgeber sind besonders wichtig? Die Essenz dieses Abgleichs lässt sich in einer groben Struktur darstellen, den 5 W-Fragen:

  • Wer sind wir als Unternehmen?
  • Was erwartet die Bewerber?
  • Wen suchen wir?
  • Was bieten wir?
  • Wie kann man sich bewerben?

Diese Leitfragen sorgen für mehr Übersichtlichkeit im Text und machen ihn so leicht verständlich. Jede Frage ist die Grundlage für einen Absatz. Wie genau sie ausformuliert werden, schauen wir uns im Folgenden einmal näher an.

Verständlichkeit in jedem Schritt

Fußspuren auf dunklem Sand

Zu Beginn steht der Titel deiner Stellenazeige. Er ist ja auch das Erste, was potenzielle Bewerber über deine Stelle lesen. Der erste Eindruck sitzt mit einem eindeutig gewählten Titel. Das meint zunächst einmal verständliche Begriffe, unter denen auch die Jobsuchenden etwas verstehen. Es nutzt einfach nichts, verheißungsvolle Ausdrücke oder gar unternehmensinterne Bezeichnungen zu verwenden. Die Aufmerksamkeit der Leser sicherst Du dir vor allem dann, wenn klar ist, wovon Du sprichst. Wenn der Titel klasse klingt aber nichts aussagt, halten die Leser vielleicht kurz inne und scrollen dann verdutzt weiter.
Auch für Bewerber hat der Tag nur 24 Stunden. Verrätst Du ihnen schon im Titel, was sie am meisten interessiert, werden sie einen näheren Blick riskieren. Das heißt, die Art der Anstellung (z.B. Praktikum vs. Festanstellung), die Branche, Berufsbezeichnung und ob die Stelle befristet oder unbefristet ist, haben einen Platz in dem Titel der Stellenanzeige verdient.

Wer sind wir als Unternehmen?

Stell' zunächst einmal dich und dein Unternehmen vor, damit die Bewerber dich kennenlernen. Hier sind natürlich deine Produkte beziehungsweise Dienstleistungen zu nennen. Wie groß dein Unternehmen in etwa ist und welche Erfolge Du bereits zu verzeichnen hattest, tragen zu einem runden Eindruck von der Arbeitsstelle bei. Wenn für den Leser soweit alles passt, hast Du sein oder ihr Interesse. Betonst Du, was dein Unternehmen besonders macht, gewinnst Du an diesem Punkt einen neuen Bewerber. Jetzt ist also Zeit für imposante Begriffe. Was macht dein Unternehmen aus? Welche Werte vertrittst Du, wie ist die Arbeitsatmosphäre? Hast Du eine Vision, der sich deine Mitarbeiter anschließen können?
Es bleibt oberste Priorität, das alles verständlich zu beschreiben. Schreib' besser nichts, als einen Absatz, der deine Leser verwirrt und den sie nicht verstehen. Bei aller Selbstdarstellung bleibt der Persona-Gedanke im Vordergrund. Denn auch wenn es um dich geht, möchtest Du deinen Zielbewerbern bieten, was sie suchen.

Was erwarten die Bewerber?

Weiter mit der Stellenbeschreibung. Nachdem die Leser einen Eindruck von deinem Unternehmen haben, zeigst Du ihnen, was in der Stelle auf sie zukommt. Das ist namentlich das Aufgabengebiet des neuen Mitarbeiters und seine oder ihre Tätigkeit. Was wird der Mensch, den Du einstellst, bei dir tun? Was unterscheidet deine Stelle von anderen? Aufgaben, die Du für besonders interessant hältst, kannst Du gerne explizit erwähnen. Diese Beschreibung spricht idealerweise die Bedürfnisse und Ziele deiner Wunschbewerber an. Denn wenn sie sich gut in diesem Arbeitsalltag sehen können, keimt in ihnen der Bewerbungswunsch.
Dieser Effekt entwickelt eine besonders starke Wirkung, wenn Du die Motivation der Leser triffst. Deswegen macht es Sinn, die Aufgaben vor den Qualifikationen zu beschreiben. Die können nämlich erst einmal abschreckend wirken oder den Leser zumindest skeptisch stimmen. Hat der Leser allerdings schon sein oder ihr Idealbild vor Augen, wiegen die Anforderungen nicht mehr so schwer.

Wen suchen wir?

schwarzes Fernglas

Die Bewerber sollen aber auch zur Stelle passen, nicht nur anders herum. Je genauer Du beschreibst, was Du im Neuzugang für dein Team suchst, desto besser können die Leser abschätzen, ob sie gemeint sind. Dabei hilft es, klar zu formulieren, um welche Anforderungen es geht. Was muss der Bewerber unbedingt mitbringen und was ist optional? Für den Leser ist diese Information Gold wert. Er oder sie erfüllt gewisse Qualifikationen oder eben nicht. Wenn Du nur vage formulierst, was wirklich wichtig ist und worauf Du auch verzichten würdest, verlierst Du fähige Bewerber. Wie oben angedeutet können zu viele Anforderungen dieselbe Wirkung haben. Wenn Du dich damit auseinandersetzt, welche Erwartungen tatsächlich realistisch sind, dürfte das kein Problem sein.
Hinter all dem liegt der Gedanke, dass Bewerber verstehen möchten. Du hättest es ja auch lieber, im Vorhinein zu wissen, worauf Du dich einlässt. Das gelingt am besten mit einem in sich stimmigen Bild. Genau das entsteht im Leser, wenn Du Fähigkeiten forderst, die unmittelbar mit dem Aufgabengebiet der freien Stelle zusammenhängen. Passt alles zusammen, kommen auch keine Fragen auf. Das hilft den Lesern wiederum, sich den Arbeitsalltag greifbar vorzustellen. Der Wunsch, sich zu bewerben, gedeiht so prächtig.

Was bieten wir?

Im Grunde bietest Du eine passende Stelle für aufstrebende Talente an. Den Eindruck darüber hast Du in den vorangegangenen Absätzen vermittelt. Eine Weißheit aus der Rederhetorik besagt: Der Anfang prägt, der Schluss haftet. Damit deine Stellenanzeige also einen bleibenden Eindruck hinterlässt, gibst Du den Lesern einen Überblick darüber, was dein Unternehmen besonders macht. Welche Vorteile genießen deine Angestellten? Das kann von einem günstigen Fitness Programm über die eigene Mensa bis zu flexiblen Arbeitszeiten gehen. Können Arbeitgeber mit deiner Unterstützung bei ihrer Weiterbildung rechnen?
Du musst das Rad nicht neu erfinden, dein individuelles Angebot macht den Unterschied. Diese sogenannten Benefits sind ein maßgeblicher Teil deiner Unternehmenskultur. Wenn Du diese Kultur offen kommunizierst, wirst Du genau die Bewerber erreichen, die zu deinem Unternehmen passen. Der Bewerbungswunsch erblüht, jetzt, wo dein persönlicher Touch den Gesamteindruck von der offenen Stelle abrundet.

Wie kann man sich bewerben?

Um die Früchte deiner harten Arbeit zu ernten, kannst Du den Bewerbern ein letztes mal entgegen kommen. Mit einem einfachen Bewirb dich jetzt! ist es nicht getan, wenn Du nicht auch dazu schreibst, wie das geht. Verrate deinen Bewerbern also ruhig die entsprechenden Kontaktdaten und auf welchem Weg sie sich bewerben können.

  • An wen geht die Bewerbung?
  • Wer ist der Ansprechpartner im Bewerbungsprozess und wie erreicht man ihn oder sie?
    -An welche Adresse wendet man sich, per E-mail oder postalisch? (kleiner Tipp: am besten für beides offen sein)

Je einfacher die Bewerbung ist, desto mehr Leser werden sich auch bewerben.

Der sprachliche Rahmen

Frau hält Rahmen

Der rote Faden dieses Artikels, und letzlich auch unserer Vision bei enwork, lautet Klarheit und Verständlichkeit für alle Beteiligten. Das spiegelt sich auch im sprachlichen Stil wieder. Im modernen Bewerbungsprozess hat inhaltloses Geschwafel keinen Raum. Mit überbordend formulierten Jobtiteln und schwadronierenden Beschreibungen bar jeglicher handfesten Information tust Du niemanden einen Gefallen.
Genau. Nochmal in klar und verständlich: leeres Gerede bringt dir keinen Vorteil. Das erstreckt sich über das ganze Feld der Fremd- und Fachwörter. Ja, sie klingen schlau und wichtig, machen den Text aber weniger verständlich und schrecken sogar ab. Der Leser fühlt sich so, wie Du gerade. Im besten Falle irritiert über die unnötig komplizierte Wortwahl, im schlimmsten Falle springt er ab und liest lieber etwas anderes.
Als Faustregel kannst Du dir merken

  • wenn Du es einfacher sagen kannst, sag' es einfacher.

Bei aller Einfachheit kann dein Text aber interessant bis spannend geschrieben sein. Wenn Du nicht immer dieselben Worte wählst, hältst Du deine Leser am Text. Auch eine wechselnde Satzstruktur sorgt für flüssiges Lesen. Schreib auch mal so etwas wie am Arbeitsplatz, im Büro oder im Arbeitsalltag anstatt immer nur von der Stelle zu reden. Du musst auch nicht jeden Satz mit In der Stelle wirst Du... anfangen.

  • Ein guter Lesefluss entsteht durch vielseitige Wortwahl und wechselnden Satzbau.

Noch eine Idee für den Hinterkopf, vor allem im Deutschen: Achtung bei Häufungen von Substantivierungen! Klingt nämlich gar nicht mal so gut, wenn jedes zweite Wort auf -ung endet.
Du kannst dir also merken

  • Wörter auf -ung vermeiden, wenn es auch das Verb tut.

Nun steht dem allerdings eine Erkenntnis aus der Psycholinguistik scheinbar entgegen. Die besagt, dass Formulierungen wie für mehr Freiheit eher hängen bleiben als für mehr freie Bürger. Substantive können also sehr wohl die bessere Wahl sein, auch Wörter auf -ung erzielen manchmal den gewünschten Effekt. Die Lehre daraus ist, dass es kein allgemeingültiges Geheimrezept gibt und somit auch kein nie, falsch oder richtig. Wie Du deinen Text schreibst hat schlicht und ergreifend gewisse Auswirkungen. Es geht also nicht darum, die richtigen Worte zu wählen. Es geht viel mehr darum, den Effekt zu erzielen, der dir vorschwebt.

  • Du kannst es nicht richtig machen, Du kannst es aber auf deine Weise machen.

Gestaltung

Verständlichkeit ergibt sich auch daraus, wie ein Text gestaltet ist. Unsere Kollegen von Campusjäger führen Eye Tracking Studien an, die sich für ein Bild samt Firmenlogo in der Kopfzeile und einen erkennbar hervorgehobenen Jobtitel aussprechen. Bilder sind schön und gut, sie müssen aber thematisch zur Stellenanzeige passen. Zu viele Bilder kehren ihre Wirkung ins Negative und stören den Leser. Sie sind also kein Allheilmittel, sondern vorwiegend als Blickfang zu verstehen.
Dieser Blick möchte dann alles Wichtige mit einem mal sehen und verstehen. Deswegen sind Fließtexte mit Vorsicht zu genießen. Aus den Eye Tracking Studien wird ersichtlich, dass ein Block in Listenform auf der linken Seite dem Leser entgegenkommt. Interesse entsteht, wenn er oder sie hier alles wichtige über die 5 W-Fragen findet. Dafür hast Du dir ja Gedanken über die Ziele und Bedürfnisse deines Wunschbewerbes gemacht.
Im rechten Block folgt dann der Fließtext, in dem du näher auf dein Unternehmen und die Stelle eingehst. Hier stellst Du dann deine sprachlichen Fähigkeiten unter Beweis und der Bewerbungswunsch des Lesers nimmt seinen Lauf. Auch im Fließtext kannst Du die wichtigen Stellen fettgedruckt hervorheben, das macht es dem Leser einfacher.
Mehr Tipps zur Struktur und weiteren Aspekten deiner Stellenanzeige haben wir in dieser Übersicht besprochen.

Es liegt in deinen Händen

offene Handflächen

Bewerber haben eine faire Chance verdient, den passenden Job für sich zu finden. Es gehören aber immer zwei dazu. Das heißt, dass Unternehmen dieselbe Chance verdient haben, passende Mitarbeiter zu finden. Als Arbeitgeber bist Du in der glücklichen Position, es selbst in der Hand zu haben. Mit einer verständlichen Stellenanzeige erhöst Du deine Chancen und wenn Du ein paar Gedanken investierst, erreichst Du auch die passenden Bewerber. Vielleicht lernst Du dabei auch noch etwas über dich selbst und dein Unternehmen.

Artikel von
Jonas Reiter
Master of Words and Arousal

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